Nachfolge & Übergabe

Den Betrieb übergeben, ohne ihn zu verschenken.

In Österreich steht ein erheblicher Teil der Betriebe in den nächsten Jahren vor der Übergabe, und viele sperren zu, weil sich niemand findet. Woran das liegt, ist selten die Branche. Meist ist es der Zeitpunkt: zu spät begonnen, um den Betrieb noch übergabefähig zu machen.

Ich begleite die Übergeberseite: Vorbereitung, Bewertung, Suche, Verhandlung und den Rückzug.

Die Ausgangslage

Zwei Wege aus dem eigenen Betrieb.

Beide sind in Ordnung. Sie laufen nur völlig verschieden ab, und die Familienübergabe gilt zu Unrecht als der einfachere Weg.

Verkauf an Dritte
  • Der Preis entsteht am Markt und ist verhandelbar
  • Die Suche dauert am längsten, oft ein Jahr und mehr
  • Steuerlich ein Veräußerungsgewinn mit möglichen Begünstigungen
  • Du gibst die Kontrolle vollständig ab
Übergabe in der Familie
  • Die Nachfolge steht fest, der Preis ist selten der Streitpunkt
  • Dafür wird über Gerechtigkeit zwischen Geschwistern verhandelt
  • Eigene steuerliche Logik, oft unentgeltlich oder teilentgeltlich
  • Du bleibst sichtbar, gewollt oder nicht
Der Weg

Acht Phasen bis zur Übergabe.

Die ersten beiden Phasen entscheiden über den Preis. Alles danach ist Handwerk, das sich einkaufen lässt.

01Schritt 01

Standortbestimmung

Willst du ganz heraus, dich schrittweise zurückziehen oder in der Familie übergeben? Und ab wann? Aus dieser Antwort folgt alles Weitere, und sie fällt den meisten schwerer als jede Zahl im Prozess.

02Schritt 02

Den Betrieb übergabefähig machen

Das ist die eigentliche Arbeit, und sie braucht Jahre, nicht Monate. Ein Betrieb, der ohne dich nicht läuft, ist schwer verkäuflich und billig. Prozesse dokumentieren, Schlüsselkundschaft auf mehrere Schultern verteilen, Entscheidungen abgeben: Jeder dieser Schritte hebt den Preis und verkürzt die Suche.

03Schritt 03

Zahlen aufbereiten und bewerten

Käufer rechnen den Ertrag, nicht das Lebenswerk. Dafür werden die Zahlen bereinigt: ein marktüblicher Unternehmerlohn eingerechnet, private Posten heraus, Einmaleffekte markiert. Erst danach ergeben Ertragswert und Branchenmultiplikatoren eine Zahl, die jemand prüfen kann.

04Schritt 04

Steuerliche Struktur klären

Vor dem Verkauf, nicht danach. Ob Asset Deal oder Anteilsverkauf, ob Begünstigungen greifen, ob eine Aufgabe günstiger ist als ein Verkauf: Das entscheidet über einen erheblichen Teil dessen, was am Ende bei dir bleibt. Die Struktur macht die Steuerberatung, ich sorge dafür, dass sie früh genug am Tisch sitzt.

05Schritt 05

Nachfolge finden

Über die Nachfolgebörse der Wirtschaftskammer, über das Branchennetzwerk, über Direktansprache und manchmal über die eigene Belegschaft. Wer intern übergibt, spart die Suche und handelt sich eine andere Frage ein: ob die Finanzierung steht.

06Schritt 06

Auswählen und verhandeln

Der Preis ist selten der schwierigste Punkt. Schwierig sind Zahlungsstruktur, Verkäuferdarlehen, Earn-out, Gewährleistung und die Frage, was mit dem Team passiert. Wer nur über den Preis verhandelt, verschenkt die Punkte, die den Abschluss tragen.

07Schritt 07

Vertrag und Stichtag

Haftungsbegrenzung, Wettbewerbsverbot, Gewährleistungsfristen, Firmenbuch. Die Verträge macht ein Anwalt. Ich sorge dafür, dass du verstehst, was die Klauseln wirtschaftlich bedeuten, bevor du unterschreibst.

08Schritt 08

Übergeben und gehen

Einarbeitung, Vorstellung bei Kundschaft und Lieferanten, geordnete Kommunikation an das Team. Und die Frage, über die niemand gern spricht: Was machst du am Montag danach? Übergaben scheitern auch daran, dass die Übergeberin nicht loslässt.

Die Fallen

Woran Übergaben scheitern.

Fast nie am Betrieb. Meist an einem dieser sechs Punkte, und die ersten drei lassen sich nur mit Vorlauf abstellen.

01Schritt 01

Zu spät begonnen

Wer mit 64 anfängt zu überlegen, verkauft unter Zeitdruck. Drei bis fünf Jahre Vorlauf sind kein Luxus, sondern der Unterschied zwischen einem Preis und einem Notverkauf.

02Schritt 02

Der Betrieb bist du

Wenn Kundschaft, Wissen und Entscheidungen an dir hängen, kauft niemand einen Betrieb, sondern deine Anwesenheit. Genau das lässt sich vorher ändern, aber nicht kurzfristig.

03Schritt 03

Der Preis ist das Lebenswerk

Was du hineingesteckt hast, interessiert keinen Käufer. Bezahlt wird, was der Betrieb künftig verdient. Diese Lücke früh zu kennen erspart zwei Jahre vergebliche Suche.

04Schritt 04

Die Steuer kommt zum Schluss

Die steuerliche Struktur entscheidet mit, was von einem Kaufpreis übrig bleibt. Nach Vertragsunterzeichnung ist dieser Hebel weg.

05Schritt 05

Das Team erfährt es zuletzt

Gerüchte sind schneller als jede Ankündigung. Wer die Belegschaft überrumpelt, verliert zuerst die Leute, deretwegen der Betrieb gekauft wird.

06Schritt 06

Kein Plan für danach

Ein Betrieb ist für viele die Tagesstruktur, das Netzwerk und ein Stück Identität. Wer sich das Danach nicht überlegt, verschiebt den Stichtag immer weiter oder kommt nach der Übergabe zurück.

Rechts- und Steuerrahmen

Was beim Übergeben zu klären ist.

Eine Übergabe ist kein Verkauf wie jeder andere: Nachhaftung, Dienstverhältnisse und Begünstigungen folgen eigenen Regeln. Diese Punkte gehören früh auf den Tisch, weil sich mehrere davon später nicht mehr gestalten lassen.

Diese Übersicht ordnet ein, sie ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Beträge und Voraussetzungen ändern sich; die verbindliche Prüfung im konkreten Fall machen Anwalt und Steuerberatung, ich hole sie zum richtigen Zeitpunkt dazu.

Meine Rolle

Was ich dabei übernehme.

Ich bin auf deiner Seite des Tisches, von der Vorbereitung bis nach dem Stichtag. Was Anwalt oder Steuerberatung vorbehalten ist, mache ich nicht, sondern binde sie ein.

Die andere Seite

Du willst nicht übergeben, sondern übernehmen?

Dieselbe Sache von der Käuferseite: Suche, Bewertung, Due Diligence, Finanzierung und die ersten hundert Tage im übernommenen Betrieb.

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Häufige Fragen

Was Übergeber:innen zuerst fragen.

Früher, als sich richtig anfühlt. Drei bis fünf Jahre vor dem gewünschten Ausstieg ist ein guter Zeitpunkt, weil die eigentliche Arbeit — den Betrieb von dir unabhängig zu machen — genau so lange dauert. Die Suche nach einer Nachfolge kommt danach und braucht selbst oft noch ein Jahr.

Belastbar wird das erst mit bereinigten Zahlen: ein marktüblicher Unternehmerlohn eingerechnet, private Posten heraus, Einmaleffekte markiert. Darauf rechnet man Ertragswert und branchenübliche Multiplikatoren. Jede Zahl vor dieser Bereinigung ist geraten, auch die aus dem Bauch.

Zusperren ist häufiger, als es sein müsste. Ein Betrieb mit Stammkundschaft, eingearbeitetem Team und laufenden Aufträgen hat einen Wert, auch wenn er klein ist. Umgekehrt gibt es Fälle, in denen eine geordnete Aufgabe tatsächlich die bessere Entscheidung ist — steuerlich wie persönlich. Das ist eine der ersten Fragen, die wir rechnen.

Die Dienstverhältnisse gehen nach § 3 AVRAG auf die Erwerberin über, mit allen Ansprüchen und angerechneten Dienstzeiten. Das ist der rechtliche Teil. Der schwierigere ist der zeitliche: wann du es wem sagst. Dafür gibt es einen Fahrplan, und er beginnt nicht am Stichtag.

Das wird verhandelt und steht im Vertrag, üblich sind einige Monate Einarbeitung. Wichtiger als die Dauer ist die Rolle: Wer ohne klare Abgrenzung bleibt, untergräbt die Autorität der Nachfolge und verlängert die Übergabe, statt sie abzuschließen.

Ja. Unternehmensnachfolge ist ein förderbares Thema der Wirtschaftskammer Wien, als zweitägige Strategieberatung. Welche Voraussetzungen gelten und wie der Ablauf aussieht, steht auf der Seite zur geförderten Beratung.

Nächster Schritt

Reden wir über deinen Ausstieg.

Im Erstgespräch klären wir, wo dein Betrieb steht, wie übergabefähig er heute ist und welcher Zeitraum realistisch ist. Ergebnisoffen, auch wenn die Antwort am Ende lautet: noch nicht.

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